Parc de Sceaux, France, 1987 © Josef Koudelka – Magnum Photos

KOUDELKA – Exiles and Panoramas
1968 – 2012

Ausstellung vom 6. März bis 20. September 2020

Josef Koudelka – ein Lebenswerk zwischen Zeitgeschichte und Zeitlosigkeit.

Der tschechische Fotograf Josef Koudelka zählt zu den weltweit prägendsten und profiliertesten Fotografen der letzten Jahrzehnte. Seine Bildsprache ist unvergleichlich, intensiv und außergewöhnlich. Das eindrucksvolle Werk des 1938 in Boskovice (Tschechien) geborenen und heute in Paris und Prag lebenden Fotografen wird nun in einer prägnanten Einzelausstellung im Ernst Leitz Museum in Wetzlar präsentiert.

Exiles und Panoramen kontrastiert die Serie Exiles mit einer persönlichen Auswahl seiner Panoramen, die ab Mitte der 1980er-Jahre entstanden sind. Waren seine Aufnahmen bis dahin ganz der Kleinbildfotografie verpflichtet, entdeckte er mit einer Panorama-Kamera die Welt noch einmal neu: in raumgreifenden Landschaften und Küstenstreifen aus Europa und dem mittleren Osten geht er in Gebieten auf Spurensuche, die durch Industrie, Konflikte oder über die Zeit eine zum Teil verheerende Veränderung durchlaufen haben. Diese großen Bilderwelten erscheinen menschenleer und zeugen doch auf verstörende, gleichzeitig betörende Weise von menschlicher Existenz.

Die Ausstellung im Ernst Leitz Museum präsentiert mit insgesamt 68 Arbeiten einen fokussierten Einblick in das Werk Koudelkas. Dabei reflektieren die Werkgruppen eindrücklich den spannungsvollen Dialog zwischen Mensch und Schicksal, Lebendigkeit und toter Materie, Zeitgeschichte und Zeitlosigkeit.

Dr. Paul Wolff & Tritschler. Licht und Schatten – Fotografien 1920 bis 1950

Eröffnungsausstellung vom 28. Juni 2019 bis 20. September 2020

Mit dieser ersten großen Retrospektive zu Dr. Paul Wolff (1887–1951) und Alfred Tritschler (1905–1970) werden zwei der kulturgeschichtlich bedeutendsten deutschen Fotografen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Bis heute bekannt sind Wolff & Tritschler als Pioniere der Leica, als herausragende Techniker und Vorreiter eines lebendigen Stils in Illustrationsfotografie und Reportage. Daneben spiegelt ihr auf 700.000 Aufnahmen geschätztes Werk alle maßgeblichen Trends der fotografischen Moderne, vom Neuen Sehen bis zur Neuen Sachlichkeit. Aktiv ab Mitte der 1920er-Jahre, haben Wolff & Tritschler zentrale Ereignisse bzw. Entwicklungen ihrer Zeit – Autobahnbau, Dampferreisen, Zeppelinbegeisterung, Architekturmoderne, Olympische Spiele 1936 – mit der Kamera begleitet. Nicht zuletzt diese thematische Breite macht zusammen mit einem sicheren Blick, einer Lust am Sehen und Zeigen, einem deutlichen Bekenntnis zur Kamera als Medium der Kommunikation im technischen Zeitalter das Besondere ihres Œuvres aus.
Ihrem Selbstverständnis nach waren Wolff & Tritschler keine Künstler, sondern verlässliche Dienstleister, deren Frankfurter Unternehmen alle Aufgaben neuzeitlicher Fotografie bediente – vom idealisierenden Kalenderblatt bis zur modernen Konsumgüterwerbung, vom dynamischen Sportfoto bis zur strengen Architekturaufnahme. Paul Wolff war es, der sich um 1923 fotografierend für den Erhalt der Frankfurter Altstadt eingesetzt und so unsere Vorstellung vom mittelalterlichen Frankfurt nachhaltig geprägt hat. Gleichzeitig stehen Wolff & Tritschler für bis heute immer wieder gedruckte »Ikonen« des Neuen Frankfurt mit »Zick-Zack-Hausen«, Großmarkthalle oder Sitz der I. G. Farben. Wolff & Tritschler waren Pioniere ebenso auf dem Feld der jungen Farbfotografie wie dem der Industriereportage. Als gut organisierter Teil einer Medienmoderne setzte das Unternehmen auf das gedruckte Bild: Keine Zeitschrift, kein illustriertes Magazin um 1930, in dem sich nicht auch Aufnahmen von Wolff & Tritscher fänden. Auf mehr als 300 Titel kommt ihre Bibliografie mit Übersetzungen auch ins Englische, Französische, Italienische oder Japanische. In der Summe ist das Lebenswerk von Wolff & Tritschler nicht ohne Widersprüche, was die mit rund 400 Objekten – darunter bis dato nie gezeigte Vintageprints, Plakate, Dokumente, Zeitschriften und Bücher – reich orchestrierte Ausstellung eher als Chance begreift: das Unternehmen Wolff & Tritschler als »Phänomen«, eingebettet in deutsche Geschichte um 1930.

Begleitend erscheint ein umfangreicher Band mit Beiträgen von Sabine Hock, Randy Kaufman, Hans-Michael Koetzle, Kristina Lemke, Günter Osterloh, Tobias Picard, Gerald Piffl, Shun Uchibayashi und Thomas Wiegand.
Hans-Michael Koetzle (Hg.): Dr. Paul Wolff & Tritschler. Licht und Schatten – Fotografien 1920 bis 1950, 464 Seiten, circa 1000 Abbildungen, gebunden, Kehrer Verlag Heidelberg, 78 Euro.
ISBN 978-3-86828-880-3 (deutsche Ausgabe), ISBN 978-3-86828-881-0 (englische Ausgabe)

https://www.kehrerverlag.com/de/dr-paul-wolff-und-tritschler?___from_store=en

„Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie“

Vergangene Ausstellung – endete am 9. Juni 2019

Bereits vor der offiziellen Museumseröffnung im Juni zeigt das Museum die Schau „Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie“. Nach erfolgreicher Tournee durch  die großen Museen Europas hat die Ausstellung ihre letzte Station im Ernst Leitz Museum in Wetzlar. Zu sehen sind einzigartige Bildikonen, eindrucksvolle Zeitdokumente und magische Momente der Fotografie Geschichte. Die Schau präsentiert Arbeiten unter anderem von René Burri, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Bruce Davidson, William Eggleston, Lee Friedlander, Barbara Klemm, Joel Meyerowitz, László Moholy-Nagy und Alexander Rodtschenko.

„Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ erforscht den Umbruch und die visuelle Revolution in der Fotografie – ausgelöst durch die technische Innovation der handlichen „Ur-Leica“. Die Ausstellung verdeutlicht aus kunst- und kulturgeschichtlicher Perspektive, wie sich durch das Kleinbild das fotografische Sehen im 20. Jahrhundert veränderte. So werden in 15 Kapiteln verschiedene Aspekte der Kleinbildfotografie von den Anfängen bis heute beleuchtet – von journalistischen Strategien über dokumentarische Ansätze bis hin zu freien künstlerischen Positionen. Die Ausstellung folgt dabei dem Gang der Technik- beziehungsweise Fotografie Geschichte.